Glashaus-Rede

Da hat er’s den Sozen mal richtig gegeben. Christian Lindner, seines Zeichens Parteivorsitzender der arg gebeutelten FDP, hat in seiner Zweitfunktion als liberaler Fraktionschef im nordrhein-westfälischen Landtag eine „Wutrede“ gehalten. Anlass war der Zwischenruf eines SPD-Abgeordneten, der dem wirtschaftsliberalen Trommler an eigene unternehmerische Pleiten erinnerte.

Da drehte der smarte Parteiführer auf: „Wenn man Erfolg hat, gerät man in das Visier der sozialdemokratischen Umverteiler und wenn man scheitert, ist man sich Spott und Häme sicher.“ Tenor: Sozialdemokraten lieben nicht den Risiken in Kauf nehmenden Gründer, sondern den Beamten und die soziale Hängematte.

Ganz so falsch mag er da nicht liegen. SPDler tun sich immer noch schwer mit dem Unternehmertum. Nur eins: In der Firma, die er mit in die Pleite ritt, steckten 1,4 Millionen Staatsknete. Es ist nicht bekannt, dass er zumindest Teile dieses Kredites zurückgezahlt hat. Bekannt ist allerdings, dass er nach dem Ausscheiden aus der „Internetklitsche“ (SZ) in seinen Porsche stieg und sich’s seitdem in der ganz angenehm gepolsterten sozialen Hängematte für Politiker gutgehen lässt.

Auch hier gilt einmal mehr: Wer im Glashaus sitzt…

Apple macht dumm

Seit mindestens 25 Jahren bin ich ein Apple-Heavy-User. Seit dem Mac Classic schwöre ich auf die Produkte aus Cupertino, bin mit Apple durch alle Höhen und Tiefen gegangen – vom Classic zum Ibook, vom Powerbook zum MacPro. Und natürlich zum iPod und iPhone und iPad. Und nun das:

„Forscher der Universität Missouri haben herausgefunden, dass die mentale Leistung von iPhone-Besitzern abnimmt, wenn sie von ihrem mobilen Gerät getrennt werden. Ohne iPhone verhalten sie sich ängstlicher und ihre geistige Leistungsfähigkeit nimmt ab.

Die Wissenschaftler legten 40 iPhone-Nutzern jeweils zwei Wortsuch-Puzzle vor und erzählten ihnen, das Experiment wolle die Zuverlässigkeit eines kabellosen Blutdruckgeräts testen. Beim ersten Puzzle waren die Probanden in Besitz ihres iPhones, beim zweiten wurde ihnen gesagt, das Gerät verursache Bluetooth-Störungen und müsse weiter weg im Raum deponiert werden.

Während des Experiments riefen die Forscher dann auf den Mobiltelefonen an, was die Probanden hören, aber nicht erreichen konnten. Während beider Tests wurden jeweils Herzrate und Blutdruck der Teilnehmer gemessen. Unmittelbar nach den Tests sollten sie zudem ihr Angst- und Wohlfühl-Level einstufen.

Die Forscher ermittelten einen signifikanten Anstieg der Herzrate sowie des Blutdrucks, wenn die Probanden das entfernt liegende Telefon während des Tests nicht beantworten konnten. Hinzu kamen stärkere Angstgefühle und Unwohlsein. Auch die Ergebnisse der Puzzles zeigten im zweiten Durchlauf signifikant schlechtere Ergebnisse.“

Okay, Apple macht nicht klüger sondern dümmer. Aber jetzt auf PC und Windows umsteigen? Nein, so dumm bin ich nun doch nicht.

Der Krieg gegen Google

Der Irrsinn lässt sich schön an diesem Beispiel beschreiben: Sie sind in einer fremden Stadt, haben Lust auf die Lust, greifen sich ein Taxi und fragen den Fahrer, ob er ihnen ein Etablissement empfehlen könnte. Der hat mehrere zur Auswahl und empfiehlt eins. Sie lassen sich dort hin chauffieren und der Abend wird schon… für Sie, nicht den Taxifahrer. Denn von dem verlangt der Betreiber des Etablissements Geld, weil der ihm den Kunden gebracht hat. Der Taxifahrer weigert sich natürlich und sagt sich, „dem bringe ich nie wieder einen Kunden.“ Aber da hat er die Rechnung ohne dem Betreiber gemacht. Der hat sich nämlich ein Gesetz schreiben lassen, der den Taxifahrer zwingt, ihm Kunden zu bringen und dafür auch noch zu zahlen…

So in etwa ist das, was derzeit aus Berlin und Brüssel gegen den Online-Suchdienst Google ausgeheckt wird. Orchestriert und munitioniert vor allem von den deutschen Medien unter der Führung der Axel Springer SE soll das US-Unternehmen offensichtlich teilenteignet werden. Begründung: Google sei so dominierend, dass alle Anbieter von kommerziellen Angeboten – nicht nur Medien – sich bedingungslos der „Krake“ unterwerfen müssen. Da sei ein Monopol entstanden, das den freien Wettbewerb behindere.

Richtig ist: Google ist keine Sozialveranstaltung, sondern ein weltumspannender Digital-Konzern, der bestimmt auch rücksichtslos sein Geschäft ausbaut. Vieles an dem Unternehmen ist kritikwürdig, einiges gehört auch reglementiert. Doch was Springer & Co verlangen, hat eher was mit dem realsatirischen DDR-Sozialismus als mit dem ansonsten immer so beschworenen freien Unternehmertum gemein.

Als vor fünfzig Jahren die Europäer keine Lust mehr hatten vom US-Monopol im zivilen Flugzeugbau abhängig zu sein, liefen sie auch nicht zum Kadi, um Boing und McDonnell Douglas zu verbieten. Sie gründeten einfach Airbus. Der Rest ist eine Erfolgsgeschichte.

Steht die gedruckte Mitarbeiterzeitschrift vor dem Aus?

Alles hat ein Ende: 1888 erschien mit dem Schlierbacher Fabrikboten die erste Mitarbeiterzeitschrift in Deutschland. Nun, nach knapp 130 Jahren, scheint das klassische Printmodell vor dem Aus zu stehen: Immer mehr Unternehmen gehen weg von der gedruckten analogen Form hin zur digitalen Fassung: Über Intranet als Pdf oder als App für Handy und Tablet findet der Aufbruch in die Zukunft statt. Doch ist die digitale Verbreitung wirklich die Zukunft der Mitarbeiterkommunikation?

Aber zuerst einmal zu den Zahlen. Eine aktuelle Studie der digitalen Agentur „kkundk“ kommt zu dem Ergebnis, dass Print zwar nach wie vor das vorherrschende Medium in den Unternehmen ist, aber immer stärker von digitalen Magazinen als PDF, im Intranet oder als App für Handy und Tablet ersetzt wird.

Multi-Channel-Publishing, so die Studien-Macher, wird auch in der Internen Kommunikation zur Realität. Ihr Fazit: Die zukünftige Mitarbeiterzeitschrift wird vor allem online und als mobile Magazin-App verbreitet werden und mit anderen Content-Plattformen des Unternehmens verbunden sein, um Inhalte aus verschiedenen Quellen integrieren.

Meine aktuellen Erfahrungen mit dieser schönen neuen Welt der digitalen Mitarbeiter-Magazine aus zwei großen Unternehmen mit weit mehr als 1000 Mitarbeitern sind ernüchternd.

Das eine Unternehmen aus dem Maschinenbau setzte aus technologischer Begeisterung auf Intranet und App. Ergebnis: Wurden die Printausgaben noch von bis zu 70 Prozent der Mitarbeiter gelesen, fiel die Lese-Rate nun auf unter 30 Prozent. Ein Grund: Die Kolleginnen und Kollegen in der Produktion hatten nur begrenzten und eingeschränkten Zugang zu Computern und Tablets, und die Apps wurden nicht angenommen.

Das andere Unternehmen aus der Unterhaltungsbranche stieg aus Kostengründen aus der Druckversion aus und in die PDF-Version, vertrieben über das Intranet, ein. Auch mit mageren Ergebnissen: Die digitale Ausgabe wurde weniger wahrgenommen. Hier der Grund: Die Mitarbeiter waren es gewohnt, das Magazin mit nach Hause zu nehmen und dort zu lesen.

Beide Unternehmen sind zu den Printversionen zurückgekehrt, bieten aber weiterhin die digitalen Versionen als Alternative und Ergänzung.

Die gedruckte Mitarbeiterzeitung wird darum vorerst nicht sterben. Weil die Leserinnen und Leser es so wollen. Sie verweigern sich der digitalen Welt. Vor allem in industriellen Unternehmen, wo noch die klassische Produktion die entscheidende Rolle spielt. Also überall dort, wo Deutschland im internationalen Wettbewerb stark ist und der Export-Weltmeister gemacht wird. Wo die Mitarbeiter noch an Maschinen stehen und nicht am Computer.

Aber auch das ist wahr: Das analoge Magazin wird um digitale Info-Welten ergänzt und erweitert werden müssen. Allein schon, weil heute die interne Kommunikation nur als Dialog funktionieren kann. Denn das ist ja die Schwäche von Print – es ist letztlich eine kommunikative Einbahntrasse. Zum Dialog braucht es Rückkoppelung und genau hier müssten die digitalen Kanäle ansetzen. Heißt: Print sollte nicht unüberlegt durch die technisch „aufregenderen“ digitalen Medien ersetzt sondern ergänzt werden.

Für die Kommunikationsverantwortlichen in den Unternehmen bedeutet dies, noch exakter zu definieren, was sie mit der internen Kommunikation erreichen wollen. Stichworte wären Aufmerksamkeit, Beteiligung, Identität, Empathie etc. Und jedes einzelne Ziel wäre dann mit dem entsprechenden Tool zu belegen.

Für mich steht weiterhin die gedruckte Mitarbeiterzeitung bei allen digitalen Möglichkeiten im Mittelpunkt. In den meisten Unternehmen ist sie in der Kommunikation die integrierende Kraft. Sie steht für Tradition, für Beständigkeit, für Verlässlichkeit.

Also: Print bleibt, und so aufregend und verführerisch die digitalen Medien gerade für die Kommunikationsverantwortlichen auch sind, falsch eingesetzt können sie der internen Kommunikation mehr schaden als nützen.