Steht die gedruckte Mitarbeiterzeitschrift vor dem Aus?

Alles hat ein Ende: 1888 erschien mit dem Schlierbacher Fabrikboten die erste Mitarbeiterzeitschrift in Deutschland. Nun, nach knapp 130 Jahren, scheint das klassische Printmodell vor dem Aus zu stehen: Immer mehr Unternehmen gehen weg von der gedruckten analogen Form hin zur digitalen Fassung: Über Intranet als Pdf oder als App für Handy und Tablet findet der Aufbruch in die Zukunft statt. Doch ist die digitale Verbreitung wirklich die Zukunft der Mitarbeiterkommunikation?

Aber zuerst einmal zu den Zahlen. Eine aktuelle Studie der digitalen Agentur „kkundk“ kommt zu dem Ergebnis, dass Print zwar nach wie vor das vorherrschende Medium in den Unternehmen ist, aber immer stärker von digitalen Magazinen als PDF, im Intranet oder als App für Handy und Tablet ersetzt wird.

Multi-Channel-Publishing, so die Studien-Macher, wird auch in der Internen Kommunikation zur Realität. Ihr Fazit: Die zukünftige Mitarbeiterzeitschrift wird vor allem online und als mobile Magazin-App verbreitet werden und mit anderen Content-Plattformen des Unternehmens verbunden sein, um Inhalte aus verschiedenen Quellen integrieren.

Meine aktuellen Erfahrungen mit dieser schönen neuen Welt der digitalen Mitarbeiter-Magazine aus zwei großen Unternehmen mit weit mehr als 1000 Mitarbeitern sind ernüchternd.

Das eine Unternehmen aus dem Maschinenbau setzte aus technologischer Begeisterung auf Intranet und App. Ergebnis: Wurden die Printausgaben noch von bis zu 70 Prozent der Mitarbeiter gelesen, fiel die Lese-Rate nun auf unter 30 Prozent. Ein Grund: Die Kolleginnen und Kollegen in der Produktion hatten nur begrenzten und eingeschränkten Zugang zu Computern und Tablets, und die Apps wurden nicht angenommen.

Das andere Unternehmen aus der Unterhaltungsbranche stieg aus Kostengründen aus der Druckversion aus und in die PDF-Version, vertrieben über das Intranet, ein. Auch mit mageren Ergebnissen: Die digitale Ausgabe wurde weniger wahrgenommen. Hier der Grund: Die Mitarbeiter waren es gewohnt, das Magazin mit nach Hause zu nehmen und dort zu lesen.

Beide Unternehmen sind zu den Printversionen zurückgekehrt, bieten aber weiterhin die digitalen Versionen als Alternative und Ergänzung.

Die gedruckte Mitarbeiterzeitung wird darum vorerst nicht sterben. Weil die Leserinnen und Leser es so wollen. Sie verweigern sich der digitalen Welt. Vor allem in industriellen Unternehmen, wo noch die klassische Produktion die entscheidende Rolle spielt. Also überall dort, wo Deutschland im internationalen Wettbewerb stark ist und der Export-Weltmeister gemacht wird. Wo die Mitarbeiter noch an Maschinen stehen und nicht am Computer.

Aber auch das ist wahr: Das analoge Magazin wird um digitale Info-Welten ergänzt und erweitert werden müssen. Allein schon, weil heute die interne Kommunikation nur als Dialog funktionieren kann. Denn das ist ja die Schwäche von Print – es ist letztlich eine kommunikative Einbahntrasse. Zum Dialog braucht es Rückkoppelung und genau hier müssten die digitalen Kanäle ansetzen. Heißt: Print sollte nicht unüberlegt durch die technisch „aufregenderen“ digitalen Medien ersetzt sondern ergänzt werden.

Für die Kommunikationsverantwortlichen in den Unternehmen bedeutet dies, noch exakter zu definieren, was sie mit der internen Kommunikation erreichen wollen. Stichworte wären Aufmerksamkeit, Beteiligung, Identität, Empathie etc. Und jedes einzelne Ziel wäre dann mit dem entsprechenden Tool zu belegen.

Für mich steht weiterhin die gedruckte Mitarbeiterzeitung bei allen digitalen Möglichkeiten im Mittelpunkt. In den meisten Unternehmen ist sie in der Kommunikation die integrierende Kraft. Sie steht für Tradition, für Beständigkeit, für Verlässlichkeit.

Also: Print bleibt, und so aufregend und verführerisch die digitalen Medien gerade für die Kommunikationsverantwortlichen auch sind, falsch eingesetzt können sie der internen Kommunikation mehr schaden als nützen.

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